Rechtsanwalt Dipl. Jur. Damian Wypior

 

Im Strafrecht geht es um die Frage, ob jemand für eine Tat bestraft werden soll. Es kommen Geld- oder Freiheitsstrafe in Frage. Das Strafverfahren gliedert sich in ein Ermittlungsverfahren (Vorverfahren), Zwischen- und Hauptverfahren.

Im Ermittlungsverfahren erforscht die Staatsanwaltschaft den Sachverhalt. Kommt sie dabei zu dem Ergebnis, dass der Beschuldigte einer Straftat nicht hinreichend verdächtig ist, so stellt sie das Verfahren ein; im gegensätzlichen Fall erhebt sie eine öffentliche Klage. Im Zwischenverfahren entscheidet das Gericht darüber, ob die vorgelegte Anklageschrift der Staatsanwaltschaft es rechtfertigt, ein Hauptverfahren gegen den Angeschuldigten zu eröffnen. Gelangt das Gericht zu der Auffassung, dass kein hinreichender Tatverdacht besteht, lehnt es die Eröffnung des Hauptverfahrens ab; im gegensätzlichen Fall eröffnet es das Hauptverfahren. Im Hauptverfahren entscheidet es sich dann, ob der Angeklagte am Ende verurteilt oder freigesprochen wird.

Der Beschuldigte kann sich in jedem Verfahrensstadium, also auch schon im Ermittlungsverfahren durch einen Strafverteidiger beraten lassen. Der Verteidiger sollte frühzeitig hinzugezogen werden, um bereits im Ermittlungsverfahren Einfluss auf die Staatsanwaltschaft nehmen zu können. Der Beschuldigte sollte gegenüber der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht keine Aussage ohne vorherige Rücksprache mit seinem Verteidiger machen. Es besteht keine Verpflichtung gegenüber den Strafverfolgungsbehörden inhaltliche Angaben zu tätigen. Ein Schweigen darf nicht zum Nachteil gewertet werden. Es muss auch nicht begründet oder gerechtfertigt werden. Auch muss der Beschuldigte auf eine polizeiliche Vorladung nicht erscheinen.

Meist wird es sinnvoll sein, zuerst durch den Verteidiger Akteneinsicht zu beantragen und die weitere Vorgehensweise erst nach Auswertung der Ermittlungsakten abzustimmen. Erst nach erfolgter Akteneinsicht sollte durch den Strafverteidiger eine inhaltliche Einlassung erfolgen.